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Geschichte des Alkohols

800 n. Chr.

Der arabische Alchemist Abū Mūsā Dschābir ibn Hayyān (auch bekannt unter dem Namen Geber) verwendet einen al-anbiq (Alambik) zur Gewinnung von ätherischen Ölen. Al-Kindi destilliert mit Gebers Alambik
ein genießbares Elixier. Al-Razi bestätigt, dass Alkohol eine Trägersubstanz für Heilmittel für den menschlichen Körper ist.

1000 – 1144 n. Chr.

Die Mauren bringen mit der Eroberung der iberischen Halbinsel Destillationsverfahren nach Frankreich und Spanien. Gelehrte aus ganz Europa werden zusammengerufen. In Sevilla übersetzt Robertus Castrensis Abhandlungen über die Destillation von Geber, Al-Kindi und Al-Razi ins Lateinische.

1250 – 1269

Ausgehend von Castrensis’ Schriften destilliert Arnaud de Villeneuve Wein mit seinem selbst entworfenen Alambik und prägt das Wort Aqua Vitae (Wasser des Lebens). Dann verwendet er Aqua Vitae, um Wein stärker zu machen — der Vin Doux Naturel ist geboren. Albertus Magnus dokumentiert seine Experimente, die er basierend auf Villeneuves Erfolgen durchführt. Der Zeitgenosse Ramon Llull prägt den aus dem Arabischen stammenden Begriff Alkohol und bezeichnet ihn als »Getränk, das dazu bestimmt ist, die Kräfte der Altersschwachen zu beleben«. Wilhelm von Rubruk, den Ludwig IX. von Frankreich entsandt hatte, die Tartaren zum Christentum zu bekehren, ist der erste europäische Reisende, der Kumys (vergorene Stutenmilch) und Arrak erwähnt, eine Spirituose aus Palmzuckersaft. In Jacob van Maerlant te Dammes Buch »Der Naturen Bloeme« werden Toniken und Medikamente auf Wacholderbasis erwähnt.

1292

Auf der Heimreise von Peking nach Italien entdeckt Marco Polo einen Arrak aus Palmzuckersaft: eine Spirituose aus Samara in Indonesien. Er erwähnt die Spirituose im zweiten Band von »Il Milione«.

1297 – 1320

Ramon Llull weiht Englands König Edward II. in die Geheimnisse der Destillation ein. In »The Red Book of Ossory« von Bischof Richard Ledred ist die Herstellung von Aqua Vitae in Irland dokumentiert.

1386 – 1426

Genueser Abgesandte, die von Litauen nach Moskau reisen, präsentieren dem russischen Großfürsten Dmitri Iwanowitsch Donskoi vermutlich Kostproben von Aqua Vitae. Im Handelsregister von Sandomierz
ist vermerkt, dass ein Aqua Vitae auf Getreidebasis in ganz Polen hergestellt wird. Genueser Kaufleute kommen wieder durch Russland. Großfürst Wassili II. Wassiljewitsch ist hocherfreut über die ihm überreichte Flasche Arrak, und innerhalb weniger Jahre erhalten die Klöster den Auftrag, auf Getreidebasis eine Variante namens Brotwein herzustellen.

1455 – 1500

Der Wiener Physiker Michael Puff von Schrick beschreibt in seinem »Nützlichen Büchlein von den ausgebrannten Wässern« 82 Kräuterliköre. Das Buch wird 1476 mit Gutenbergs neuer Druckerpresse
gedruckt. Bis 1601 erscheinen 38 überarbeitete Ausgaben. Arnaud Villeneuves »Liber de Vinis« wird ins Englische übersetzt, gedruckt und veröffentlicht. Nach Erscheinen von Hieronymous Brunschwigs »Liber
de Arte Distillandi de Compositis — Das büch der waren kunst zü distillieren«, herausgegeben in Straßburg, entstehen zahlreiche Brennereien in Schiedam und Amsterdam in den Niederlanden, in denen brandewijn (Branntwein) aus gemälztem Getreide hergestellt wird.

1501 – 1539

Pedro de Atienza führt erfolgreich Zuckerrohrsetzlinge auf Hispaniola ein — die ersten, die über die Kanarischen Inseln in die Neue Welt gelangen. Diego Velázquez de Cuéllar und Hernan Cortes führen Setzlinge auf Kuba ein. Spanische Siedler in Santiago de Tequila in Mexiko bauen in einer nahegelegenen Schlucht alquitaras, Destillieranlagen bestehend aus Lehm, Holz, einem Topf und einem Becken und brennen Brandy aus pulque, einem einheimischen fermentierten Getränk aus Agaven. Sie nennen das Ergebnis mexcalli. Martim Afonso de Sousa und seine Partner Pero Lopes de Sousa, Francisco Lobo, Vicente Goncalves und Erasmo Shetz von Antwerpen bauen in Sao Jorge dos Erasmos, Madre de Deus und Sao Joao Destillieranlagen auf, um aus garapa azeada (einem Wein aus Rohrzucker) Aguardente de Cana zu brennen, einen Zuckerrohrschnaps, der später als Cachaça bekannt werden wird. Marquis Francisco de Caravantes exportiert Weinstöcke von den Kanarischen Inseln nach Peru. Innerhalb weniger Jahre produzieren und exportieren spanische Siedler Wein. Ernten, die nicht für die Weinproduktion geeignet sind, werden weggeworfen oder der Most Farmpächtern gegeben, die daraus Traubenschnaps oder Aguardiente herstellen, das später Pisco genannt wird. Das Heilmittelbuch »O Ziolach I O Mocy Ich« des polnischen Apothekers Stefan Falimirz belegt als eines der ersten Bücher das Wort Vodka und beschreibt die Zubereitung von über 70 Heilmitteln auf Vodkabasis.

1552 – 1596

Der holländische Chemiker Philippus Hermanni erwähnt in seinem »Constelijck Distilleer Boek« einen Wacholderschnaps. Britische Truppen landen in den Niederlanden, um die Spanier im Holländischen
Unabhängigkeitskrieg zu bekämpfen. Dr. Sylvius de Bouve von der Universität Leiden versetzt wegen der medizinischen Wirksamkeit korenbrandewijn mit Wacholderbeeren: ein ideales Heilmittel für Lumbago (Rückenschmerzen) und ähnliche Beschwerden. Er verkauft seine Kreation unter dem Namen Genova. Richard Drake erfindet ein Getränk namens Draquecito, benannt nach seinem Chef, dem Freibeuter Sir
Francis Drake, auch genannt El Draque. Das Getränk enthält Zucker, Limetten, Aguardiente de Caña und eine einheimische Minzeart, die als hierba buena bekannt ist. Spanische Siedler in Kuba beginnen,  Aguardiente de Caña aus Melasse zu brennen.

1618 – 1644

Die britischen Truppen, die im Dreißigjährigen Krieg kämpfen, trinken sich mit Genever Mut an und bringen ihre Liebe zum Gin mit nach Hause. Gerade aus dem Exil in den Niederlanden zurückgekehrt,
legen die Pilgerväter in Plymouth ab. Mit an Bord der Mayflower nehmen sie Brandy und Gin. Der holländische Auswanderer Pietr Blower bringt Zuckerrohrsetzlinge und Destillierapparate aus Brasilien in
die britische Kolonie Barbados und führt so die Rumproduktion auf der Insel ein. Ein weiterer holländischer Auswanderer aus Brasilien, Benjamin da Costa, führt dieselbe Technik in der französischen Kolonie Martinique ein.

1650 – 1664

dmiral Robert Blake von der Royal Navy ersetzt die Bierrationen seiner Seeleute durch Brandy. Vizeadmiral William Penn (der spätere Gründer von Pennsylvania) erreicht Barbados und erobert Jamaika. Er befiehlt,
dass der Flotte der einheimische Rum als Tagesration zugeteilt wird, wenn die Wein- und Biervorräte aufgebraucht sind. Britische Kolonisten in Neuengland erbauen in Boston die erste Rumbrennerei. Verwendet wird Melasse aus der Karibik. Holländische Kolonisten in der Kolonie Neu Amsterdam (später New York City) folgen schon bald ihrem Beispiel.

1675 – 1690

Rum wird offizieller Bestandteil der Tagesrationen der britischen Royal Navy. In der Heimat fördert Englands einziger holländischer Monarch, Wilhelm III. von Oranien (1650 – 1702), nach seiner Thronbesteigung den Import von Genever, beschränkt den Import französischen Brandys und unterstützt die Destillation von »gutem englischen Getreide « für die Produktion von britischem Gin. Die London Guild of Distillers (Londoner Schnapsbrennergilde) wird aufgelöst und so der Ginbrennerei durch Amateure freien Lauf gelassen. Bis 1690 sind Ginproduktion und Ginkonsum in London auf 2 270 000 Liter jährlich gestiegen.

1693

Ein französischer Mönch namens Dom Perignon ruft aus: »Kommt schnell! Ich trinke Sterne!«, nachdem er den Champagner erfunden hat.

1712

In London erhält der Provinzpfarrer Richard Stoughton ein königliches Patent auf seinen Kräuteraufguss auf Alkoholbasis, den er Stoughton’s Elixier nennt. Es ist das zweite Heilmittelgemisch der Welt, das patentiert wird.

1730 – 1740

Die tägliche Bierration der britischen Royal Navy von 4,5 Litern wird vollständig durch knapp 300 ml 70 bis 85 %igen Rum ersetzt (entspricht 568 ml mit 40 % Vol.). Vizeadmiral Edward Vernon (der wegen des
wasserfesten Umhangs, den er auf Deck immer trug, den Spitznamen Old Grog trägt) erlässt den Befehl, dass die tägliche Rumration »jeden Tag im Verhältnis ein Viertelliter Wasser auf 300 ml Rum gemischt werden … und die guten Ehemänner eine Extraration Limettensaft und Zucker erhalten sollen.«

1758 – 1769

Als George Washington zur Wahl ins House of Burgesses in Virginia antritt, teilt er mit potenziellen Wählern ein Fass Barbados-Rum. Washington wird außerdem durch die Familie Laird aus Scobeyville, New Jersey, mit Applejack bekannt gemacht, einem Apfelbranntwein ähnlich dem Calvados. Der Chemiker Joseph Black — der James Watt bei der Entwicklung der Dampfmaschine half — verbessert die Destillation von schottischem Whisky, indem er die Temperatur am Sammlungspunkt stabilisiert. Die Schwestern Henriod aus Couvet in der Schweiz bewerben ihr Absinth-Elixier in einer Zeitung in Neuchâtel.

1771 – 1783

Der schwedische Chemieprofessor Torbern Bergman entwickelt einen Karbonisierungsprozess, mit dem natürlich sprudelndes Quellwasser imitiert werden kann. Unabhängig davon entdeckt Joseph Priestley eine Methode zum Versetzen von Wasser mit Kohlensäure, als er eine Schüssel mit Wasser über einem Bierfass in einer Brauerei in Leeds aufhängt. Jean Jacob Schweppe liest die Berichte über Bergmans und Priestleys Experimente. Er verbessert die Methode und nennt sie das Genfer System. Catherine und Thomas Hustler führen während der amerikanischen Revolution eine Taverne in Storm’s Bridge in New York und erfinden dem Schriftsteller James Fenimore Cooper zufolge dort den Cocktail. Jacob Beam und Elijah Pepper erbauen Brennereien in Lexington, Kentucky. John Jameson gründet die Bow Street Distillery in Dublin, Irland. Im Auftrag des russischen Zaren entwickelt Johann Tobias Lowitz die Aktivkohlefiltration für die Vodkaproduktion.

1786 – 1789

Antonio Benedetto Carpano erfindet in Turin in Italien den Wermut, basierend auf einem Rezept des Klosters in seinem Heimatdorf. Antoine Lavoisier identifiziert die Bestandteile von Ethylalkohol.

1792 – 1794

Major Daniel-Henri Dubied erwirbt ein Rezept für die Herstellung von Extrait d’Absinthe. Dr. Pierre Ordinaire brennt angeblich in der Schweiz einen Absinth. Abram-Louis Perrenoud schreibt sein Rezept für Absinth in ein Notizbuch. Und schließlich erwirbt Dubied im selben Jahr Perrenouds Rezept. Jean-Jacob Schweppe verlegt seine Sprudelfirma nach London. Präsident George Washington initiiert den Militia Act von 1792, demzufolge die Bundespolizeichefs Verweigerer der Whiskysteuer in Pennsylvania, Virginia, West Virginia, North und South Carolina vor Gericht zu laden haben. Die Whisky-Rebellion von 1794 erreicht ihren Höhepunkt, als 13 000 Milizionäre auf die steuerverweigernden Brenner in Pennsylvanias Allegheny Valley marschieren.

1795 – 1798

König Carlos IV. von Spanien überträgt José María Guadalupe Cuervo ein Stück Land und gewährt ihm die erste Konzession zur kommerziellen Herstellung von Mezcalwein (auch bekannt als Tequila). Der französische Naturforscher Nicolas-Théodore deSaussure definiert die chemische Formel von Alkohol als C2H5OH. George Washington wird Whiskybrenner, als sein schottischer Farmleiter James Anderson ihn davon überzeugt, dass die Whiskeyproduktion eine ideale Erweiterung seiner Getreidemühlen sei. Es soll sein gewinnbringendstes Unternehmen werden.

1798 – 1807

Im Limmer’s Hotel & Coffee House in der Conduit Street in London wird der John Collins von einem Oberkellner dieses Namens erfunden. (Später, als er mit Old Tom zubereitet wird, wird er in Tom Collins umbenannt.) Der neugewählte Präsident der Vereinigten Staaten, Thomas Jefferson, hebt Washingtons Whiskeysteuer auf. Das Wort Cocktail erscheint im »Farmer’s Cabinet of Amherst«, New Hampshire, in der Ausgabe vom 28. April 1803 zum ersten Mal in gedruckter Form. In der Mai-Ausgabe1806 des »The Balance, and Columbian Repository« in Hudson (New York) erscheint ein Artikel, in dem erwähnt wird, dass ein »Cocktail ein stimulierendes alkoholisches Getränk aus Spirituosen aller Art, Zucker, Wasser und Bitters ist. Er wird auch Bittered Sling genannt und soll ein exzellentes wahlpropagandataktisches Getränk sein, da er das Herz stark und kühn macht und zugleich den Kopf benebelt. Es heißt außerdem, es sei einem demokratischen Kandidaten von großem Nutzen: Denn jemand, der ein Glas davon geschluckt hat, schluckt auch alles andere.«

1807 – 1816

Frederic Tudor verschifft kommerziell Eis von Boston, Massachusetts, nach Kuba. Die Cantineros in Havanna sind hocherfreut darüber und begünstigen so den Erfolg des Unternehmens. Königin Charlotte Johanna
von Portugal erfindet den Batida und serviert ihn ihrem königlichen Hofstaat, der nach Napoleons Invasion der Iberischen Halbinsel vorübergehend in Rio de Janeiro, Brasilien, residiert. Sie kühlt die Mischung mit Ammoniak und Salz an der Außenseite des Glases. Der britische Wissenschaftler Bartholomew Sykes erfindet ein Hydrometer. Zwei Jahre später wird es von der britischen Regierung für das Messen des  Alkoholgehaltes von Spirituosen verwendet. Es wird bis 1980 in Gebrauch bleiben.

1820 – 1822

Die Restaurant-Bar La Florida eröffnet als Bodega La Piña de Plata in Havanna, Kuba. Autor Pierce Egan erfindet das Heißgetränk Tom & Jerry als Werbung für sein Buch desselben Namens. Der Schriftsteller James Fenimore Cooper macht eine Figur namens Betty Flanagan zur Hauptfigur eines Romans, die er auf Catherine Hustler und ihren Erinnerungen an die amerikanische Revolution begründet,
einschließlich ihrer Erfindung des Cocktails. Der französische Chemiker Joseph Louis Gay-Lussac entwickelt die alkoholometrische Tabelle.

1824 – 1836

Dr. Johann Gottlieb Benjamin Siegert erfindet den Bitterlikör Angostura. Charles Derosne entwickelt eine Maschine zur Kohlefiltration für die Zuckerherstellung. Robert Stein erhält zwei Patente auf seine Column-Still oder Continuous-Still. Aeneas Coffey erhält ein Patent auf seine Brennsäule, die Steins Entwurf von 1827 verbessert. Die ersten Gin-Paläste eröffnen in London. Autor Charles Dickens beschreibt sie in seinem Buch »Sketches by Boz«. Antoine Amedée Peychaud erfindet in seiner Apotheke in der Rue Royale in New Orleans Peychaud’s Bitters und den Cocktail Sazerac.

1838 – 1849

Tennessee verabschiedet das erste Prohibitionsgesetz in der Geschichte der Vereinigten Staaten, durch das der Verkauf von alkoholischen Getränken in Tavernen und Läden eine Ordnungswidrigkeit darstellt.
Absinth wird den in Algerien kämpfenden französischen Truppen, als Malariaprophylaxe verabreicht. Charles Derosne stellt persönlich seine patentierten Maschinen zur Kohlefiltration in kubanischen Zuckermühlen
auf und weist die Techniker in ihre Handhabung ein. Jacob Hittinger aus Boston Massachusetts sendet Eis und ein Team Bartender nach London, um zu demonstrieren, wie man eisgekühlte amerikanische Cocktails macht. Der Bostoner Unternehmer Henry Colman eröffnet in London die Wenham Lake Ice Company. Der britische Chemiker Archibald Scott Couper veröffentlicht erstmals die Molekularstruktur von Ethylalkohol. Jerry »The Professor« Thomas wird erster Hilfsbartender im El Dorado in San Francisco.

1851 – 1862

Jean Jacob Schweppe lässt sein Indian tonic water patentieren, das mit Chinin zubereitet wird. Der britische Besitzer der Oyster Bar, James Pimm, lässt sein No. 1 Cup kommerziell in Flaschen abfüllen. Gaspare Campari gründet die Gruppo Campari in Mailand und produziertund vermarktet dort seinen eigenen Campari Bitter. Pjotr Arsenjewitsch Smirnow gründet die Brennerei Smirnow Vodka in Russland. Der französische Starkoch Alexis Benoit Soyer eröffnet auf dem Soyer’s Universal Symposium of All Nations in London eine amerikanische Bar und präsentiert dabei einen amerikanischen Barmann. Das Wort Mixologe wird zum ersten Mal in einem humorvollen Artikel in »The Knickerbocker: New-York Monthly Magazine « geprägt. Jerry »The Professor« Thomas reist nach Europa. Harry »The Dean« Johnson veröffentlicht angeblich sein Bartender-Handbuch. Gaspare Campari führt den Torino-Milano Cocktail in Mailand ein, für den er seinen Campari Bitter und Wermut verwendet.

1862 – 1890

Eine Reblausplage dezimiert die Weinbaugebiete in Frankreich und Spanien. Die britischen Truppen entdecken die malariaverhütenden Eigenschaften von mit Chinin versetztem Sodawasser, gut gemischt mit Gin. Als Skorbutprophylaxe für die britische Royal Navy vermarktet wird Rose’s Lime Cordial kommerziell abgefüllt. Lars Olsson Smith führt Absolut Rent Bränvin ein, für den er eine neue Destillationsmethode namens Rektifikation verwendet. Bacardi kauft die John Nunes Destillerie in Santiago de Cuba. Er wendet bei der Herstellung seines Rums die Kohlefiltration von Derosne und Lowitz an. Benjamin Siegerts Sohn Don Carlos entwickelt den Pink Gin, um seinen Angostura auf der Weltausstellung von 1862 in London einzuführen. In Turin wird der Punt e Mes erfunden. Jerry »The Professor« Thomas publiziert sein Bartender-Handbuch. William Terrington veröffentlicht in London »Cooling Cups and Dainty Drinks«. Der Autor Mark Twain erwähnt in seinen Memoiren »Die Arglosen im Ausland« einen Sherry Cobbler, einen Brandy Smash und einen Champagner Cocktail. Außerdem bereitet er sich in seinem Badezimmer oft morgens eine Art Old Fashioned zu, den er seiner abstinenten Frau gegenüber als Medizin ausgibt. Der Apotheker James Burrough kauft die Gin- und Likörbrennerei von John Taylor & Son. Der Apotheker Angelo Mariani erfindet in Paris den Vin Tonique Mariani. Der amerikanische Apotheker John Stith Pemberton bringt in Atlanta, Georgia, Pemberton’s French Coca Wine auf den Markt, um gegen Mariani anzutreten. In Atlanta, Georgia, tritt die Prohibition in Kraft. Im darauffolgenden Jahr süßt Pemberton seinen Pemberton’s French Coca Wine mit Zuckersirup anstelle von Wein und fügt Limetten, Zimt, Kokablätter und die Samen eines brasilianischen Strauches hinzu. Er nennt das Getränk Coca-Cola. Das Pasteurisierungsverfahren des französischen Chemikers Louis Pasteur verbessert die Braumethoden und führt zu einem sichereren Verfahren der Hefeherstellung, durch das schädliche Bakterien reduziert werden. Die Technik wird sowohl von Schnapsbrennern als auch
von Brauern angewandt.

1892

G.F. Heublein in Connecticut vertreiben die ersten kommerziell abgefüllten Cocktails. Harry Craddock nimmt eine Stelle als Bartender im Hollenden Hotel in Cleveland, Ohio, an. Im darauffolgenden Jahr arbeitet er im Palmer House in Chicago, Illinois. Kubanische Freiheitskämpfer trinken Canchanchara — den Vater des Daiquiri — um sich auf ihrem Feldzug zu erfrischen. Jennings S. Cox jr. und F.D. Pagliuchi erfinden den Daiquiri, einen Canchanchara, der wie ein Cocktail auf Eis geschüttelt wird. Louis Fouquet veröffentlicht »Bariana«, das erste französische Cocktailbuch.

1897 – 1898

Dewar’s produzieren und zeigen auf dem Herald Square in New York den ersten Werbefilm der Welt. Der Rob Roy Cocktail wird im Fifth Avenue Hotel in New York eingeführt. Don Narciso Sala Parera übernimmt das La Piña de Plata in Havanna, Kuba, und gibt ihm den Namen La Florida. Der Cuba Libre wird in Havanna erfunden. Herausgeber Edouard Drumont nennt in »La Libre Parole« den Absinth ein »Werkzeug der Juden«. Die Absinth-Destillerie Pernod brennt nach Blitzeinschlag vollständig ab. Zwei voneinander unabhängige »Absinthmorde« machen in der Schweiz Schlagzeilen. Carrie Nation, eine Verfechterin des Alkoholverbots, zertrümmert im Carey Hotel in Wichita, Kansas, die erste Bar. In den darauffolgenden zehn Jahren wird sie 30 Mal verhaftet, weil sie überall in den USA Bars und Saloons zerstört.

1906 – 1918

Belgien, Brasilien, die Schweiz, die Niederlande und die USA verbieten den Import und Genuss von Absinth. Ehe das Verbot 1914 auch in Frankreich in Kraft tritt, produzieren und verkaufen französische  Absinthhersteller eine Rekordmenge von 36 Millionen Litern. Nach dem Verbot zieht Pernod mit der Absinthproduktion nach Tarragona in Katalonien. Dort bleibt sie bis in die späten 1960er-Jahre. Harry Craddock tritt eine Stelle im Knickerbocker Hotel in New York an. Der Erfinder des Vin Tonique Mariani, Angelo Mariani, stirbt. Der Harrison Act regelt den Verkauf von Coca-Weinen und Coca-Cola in den USA. Der US Pure Food and Drug Act wird verabschiedet. Er regelt die Kennzeichnung von Produkten, die Alkohol, Opiate, Kokain, Cannabis u. a. enthalten. Der Staat Georgia in den USA verhängt die Prohibition. Frau Julius S. Walsh jr. aus St. Louis, Missouri, ist Gastgeberin der ersten dokumentierten Cocktailparty, auf der sie 50 Gäste mit Clover Leafs, Highballs, Gin Fizzes, Bronxes, Martinis und Manhattans bewirtet. Während der Oktoberrevolution wird die Destillerie Smirnow von den Bolschewiken konfisziert. Wladimir Smirnow wird zum Tode verurteilt, kann aber aus Russland fliehen. Er kauft eine kleine Destillerie in Frankreich,
um die Vodka-Firma seiner Familie wiederaufzubauen.

1919 – 1932

Der Kongress der Vereinigten Staaten verabschiedet den Volstead Act oder National Prohibition Act, trotz Präsident Woodrow Wilsons Veto. Im ganzen Land beginnt die Prohibition. Bei der United States Industrial Alcohol Company bricht ein 27 Meter breiter, schmiedeeiserner Tank voller Melasse, der für den Transport zur Purity Distilling Company bereitsteht. Eine fünf Meter hohe Flutwelle aus 9,5 Millionen Litern Melasse ergießt sich über Teile Bostons. Nach 250 Jahren bedeutet dieses Ereignis das Ende der Rumindustrie in Neuengland. Wladimir Smirnow siedelt seine Vodka-Produktion nach Lwów in Polen um. Im darauffolgenden Jahr eröffnet er eine zweite Destillerie in Paris. Der amerikanische Barmann Fernand »Pete« Petiot tritt eine Stelle in der New York Bar in Paris an und erfindet die Bloody Mary, nachdem Smirnow ihn mit seinem Vodka bekannt gemacht hat. Harry MacElhone übernimmt die New York Bar und kreiert noch im selben Jahr den French 75 und den Monkey Gland. MacElhone and O.O. McIntryre gründen die International Bar Flies. MacElhone veröffentlicht »Barflies and Cocktails, 300 Recipes«. Fosco »Gloomy« Scarselli kreiert für den Grafen Camillo Negroni einen Negroni, für den er das Sodawasser im Americano durch Gin ersetzt.
Constantino Ribalaigua Vert übernimmt das La Florida in Havanna und benennt es um in El Floridita. Miguel Boadas verlässt das La Florida und eröffnet in Barcelona das Las Boadas, Spaniens erste Cocktailbar.
Stephen Poplawski erfindet den Standmixer. Harry Craddock macht Ada Coleman zur Oberbartenderin im Savoy Hotel in London. Die United Kingdom Bartenders Guild wird gegründet und Harry Craddock ihr
Präsident. Er veröffentlicht das »Savoy Cocktail Book«. Nachdem Harry Pickering ihm einen Kredit mit Zinsen zurückgezahlt hat, eröffnet Giuseppe Cipriani Harry’s Bar in Venedig. Davide Campari erfindet den Campari Soda. Der vorgefertigte Drink wird in eine kegelförmige Flasche abgefüllt, die der futuristische italienische Designer Fortunato Depero entworfen hat. Paul Ricard, aufstrebender Künstler und Sohn eines
Weinhändlers, erfindet Ricard Pastis, angeregt von der Popularität des Absinths in Südfrankreich.

1933 – 1939

Der 21. Zusatz zur Verfassung der Vereinigten Staaten tritt in Kraft und hebt die Prohibition auf. Ernest Gannt eröffnet Don’s Beachcomber Bar in Los Angeles, Kalifornien, und kreiert den Zombie. Vic Bergeron eröffnet das Trader Vic’s in der Nähe von San Francisco. Ein Cosmopolitan Cocktail, der mit Gin und Himbeersirup anstelle von Zitronen-Vodka und Cranberrysaft gemacht wird, erscheint zum ersten Mal in dem
amerikanischen Cocktailbuch »Pioneers of Mixing at Elite Bars«. Der Einwanderer Rudolph Kunett erwirbt die Rechte zum Brennen von Smirnow Vodka in den Vereinigten Staaten. Fernand »Pete« Petiot kehrt in die USA zurück und arbeitet in der King Cole Bar in New York. Kunett verkauft die Produktionsrechte für Smirnow an G. F. Heublein & Brothers. Die Firma Bacardi gewinnt einen Rechtsstreit am New York Supreme Court, der festlegt, dass der Bacardi Cocktail mit Rum gemacht werden muss, den Bacardi produziert hat. Der Picador — Vorgänger des Margarita — erscheint zum ersten Mal im »Cafe Royal Cocktail Book«, veröffentlicht in London von UKBG-Präsident William J. Tarling. Frederick Osius erwirbt das Patent auf Stephen Poplawskis Standmixer. Im El Floridita erfindet Antonio Meilan für Ernest Hemingway den Hemingway Special oder Papa Doble.

1942 – 1945

Im Pat O’Brien’s in New Orleans wird der Hurricane erfunden. Joseph Sheridan erfindet im Luftwaffenstützpunkt Foynes bei Limerick, Irland, den Irish Coffee. Der Rusty Nail wird in einer Bar auf Hawaii erfunden,
die häufig von dem Künstler Theodore Anderson besucht wird, der ihm seinen Namen gibt. Trader Vic Bergeron erfindet den Mai Tai. Giuseppe Cipriani erfindet in Harry’s Bar den Bellini.

1952 – 1954

Ian Fleming und sein Freund Ivar Bryce erfinden den Vesper Cocktail. Die moderne Piña Colada nach puertoricanischer Art wird in der Caribe Hilton’s Beachcomber Bar in San Juan, Puerto Rico, erfunden. Der
Grasshopper Cocktail wird im Tujague’s in New Orleans erfunden.

1958

Paul Ricard eröffnet auf seiner Privatinsel Île de Bendor vor der Küste von Bandol, Frankreich, das Museum Exposition Universelle des Vins et Spiritueux als eine »vollständige Enzyklopädie« der Getränkeindustrie.

1966

Im Ambassador East Hotel in Chicago, Illinois, wird die Bloody Mary zusätzlich mit einer Selleriestange garniert.

1985 – 1992

Der Cosmopolitan mit Zitronen-Vodka wird von Cheryl Cook im The Strand in Miami, Florida, erfunden. Lola, Bartenderin im Delilah’s in Vancouver, British Columbia, stellt eine Martini-Karte mit über 60 Drinks zusammen, die in Cocktailgläsern mit Stiel serviert werden. Die erste Seattle Martini Competition findet statt.

1992 – 2000

Oliver Peyton eröffnet das Gastronomiekonzept Atlantic Bar & Grill in London mit Dick Bradsell als Barchef. Er bildet in den nächsten Jahren die heutige Speerspitze der internationalen Barindustrie aus und sorgt für einen neuen Cocktailhype, angefeuert durch die neue Trendspirituose Vodka. In Deutschland sorgt Charles Schumann mit seiner Bar Schumann’s und seinen zeitlosen Fachpublikationen für eine Renaissance der klassischen Bar. Auf der anderen Seite des Atlantiks dient Dale DeGroff im Rainbow Room dem gleichen Ziel für die amerikanische Barszene. Bartender beginnen, Interesse für antike Cocktailbücher zu entwickeln, um die Geschichte des eigenen Handwerks zu recherchieren. Jerry Thomas »Bartenders’ Guide or How to Mix Drinks« wird als Bibel des Bartenders wiederentdeckt. Preise für Erstausgaben steigen in astronomische Höhen. Um die Jahrtausendwende gewinnt das Internet zusehends an Bedeutung bei der Vernetzung von Bartendern auf der ganzen Welt. Fach-Foren wie das von Robert Hess ins Leben gerufene Drinkboy-Forum entstehen und sorgen für einen regen Wissensaustausch innerhalb der Szene.

2000 – 2016

Durch die zunehmende Globalisierung finden immer mehr frische Zutaten ihren Weg hinter die Bar, darunter auch immer ungewöhnlichere Kräuter und Gewürze. Begriffe wie Liquid Kitchen oder Cuisine Style prägen den Arbeitsstil vieler Bartender. Ihre Arbeit und ihre Warenkenntnis gleicht der gut ausgebildeter Köche. Gleichzeitig beginnen Bartender, sich mehr mit der Geschichte ihrer Zunft auseinanderzusetzen. Klassische Cocktails erleben ein Revival und es eröffnen Bars im Stil der Speakeasys aus der Prohibitionszeit. Klassische Zutaten wie Cocktail Bitters und glamouröse Tools wie Siphons werden im Zuge dieses Trends neu entdeckt und ihr Gebrauch weiterentwickelt. Dazu verbreitet sich dierituelle Form japanischen Bartendings in kurzer Zeit rund um den Globus. In den Vereinigten Staaten und Großbritannien treibt
man die Weiterentwicklung der Bar voran. Bars setzen verstärkt auf hochwertigste Zutaten, produzieren Infusionen, Sirupe und sogar Liköre selbst und experimentieren mit gelagerten Cocktails oder Techniken
wie Sous-Vide und Fatwashing. Die Cocktailrenaissance erfasst die ganze Welt.